Tipps rund ums Bouldern

Geschrieben am: 10.06.2016 14:26

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Gesund, herausfordernd und spaßig - das Bouldern. Die steigende Anzahl an Boulder-Cups zeigt den Vormarsch des Kletterns in Absprunghöhe ohne Seilsicherung. Und wir zeigen Ihnen, wie Sie an der Wand eine gute Figur machen und sich nicht verletzen.

Begonnen hat der Boulder-Siegeszug zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Als Vorbereitung auf eine Alpenexpedition hat ein Team von Alpinisten um Pierre Allain an Felsblöcken trainiert und dabei das Bouldern für sich entdeckt.

Der Universitätsprofessor John Gill kletterte an Felsblöcken als Training für den Ringsport. Er entwickelte in den 1960er und 1970er Jahren neue Klettertechniken mittels Elementen vom Geräteturnen. Da er sich von der üblichen Drei-Punkt-Regel des Kletterns abwendete, wurden seine Bewegungen wesentlich dynamischer. Er sieht das Bouldern eher als Zweig des Turnens als des Bergsteigens.

Als deutscher Vorreiter wird der Nürnberger Wolfgang Fietz angesehen. Er war in den 70er und 80er Jahren einer der besten Kletterer der Welt. Da er es schaffte, Routen „auszubouldern“,  gilt er als Pionier des Boulderns. In den USA lernte er auch John Gill kennen und wurde international bekannt durch seine Erfolge im Bergsport.

Seit den 1990er Jahren steigt das öffentliche Interesse am Bouldern immer weiter an. Mittlerweile hat sich das Bouldern als eigenständige Sportart durchgesetzt. Wettkämpfe und Weltmeisterschaften werden veranstaltet.

 

Highball, Spotten und Traverse - die wichtigsten Begriffe beim Bouldern

Haben Sie schon einmal mehreren, eingefleischten Boulderern zugehört? Falls Sie sich denken, dass eine untenstehende spottende Person sie verspotten würde - dann liegen Sie komplett falsch.

Das Spotten hat nichts mit verspotten zu tun. Sondern der Spotter ist der Partner beim Bouldern, der Ihren Fall umlenkt. So wird ein harter Aufprall vermieden. Ein Spotter ist vor allem bei Überhängen, Highballs (sehr schwere Boulderprobleme) oder Dynos ratsam. Wichtig zu wissen ist, dass der Spotter den Boulderer nicht auffängt, sondern nur seinen Oberkörper im Falle eines Sturzes in die Senkrechte drückt. Er versucht also, den Fall so umzulenken, dass der Bouldernde weitestgehend auf den Füßen und auf dem Crashpad landet.

Die Routen, die beim Bouldern geklettert werden, werden als Boulder oder Boulderproblem bezeichnet - egal ob in der Kletterhalle oder am Fels.

Traversen nennt man Routen beim Bouldern, die quer zur Wand verlaufen und nicht nach oben. Sie führen nahe am Boden entlang.

Schon einmal einen Boulder geflasht? Schafft man einen Boulder aufs erste Mal, ohne ihn vorher auszuprobieren, nennt man das im Fachjargon Flashen.

 

Die Ausrüstung – klein, aber fein

Da keine Kletterseile, Karabiner und Sicherungsgeräte wie z. B. Grigri oder Tube verwendet werden, ist die Ausrüstung überschaubar. Das Einzige, was notwendigerweise benötigt wird, sind Kletterschuhe. Zudem ist Chalk bzw. Magnesia anzuraten, da es gegen feuchte Hände hilft. Um das Magnesia von den Griffen bzw. vom Fels wieder zu entfernen, eignet sich eine spezielle Bürste. Die meisten Chalkbags z. B. von Red Chili oder Alpidex haben besitzen bereits einen Bürstenhalterung. Auch das Crashpad wird zu einem wichtigen Bestandteil der Ausrüstung, wenn man außerhalb der Kletterhalle bouldert. In der Kletterhalle sind großflächige Fallschutzmatten vorhanden und fest installiert.

 

Tipps & Tricks beim Bouldern

Nun wissen Sie, was es mit den wichtigsten Fachbegriffen auf sich hat und was Sie an Ausrüstung benötigen. Kletterschuhe und anderes Equipment können ganz bequem von Zuhause aus im Internet bestellt werden.

Wenn Sie vor der Boulderwand in der Halle stehen, bleiben Sie entspannt. Sehen Sie sich das Boulderproblem in Ruhe an, überlegen Sie sich, wie Sie am besten greifen und treten. Beobachten Sie Ihre Boulderpartner und wie Sie schwierige Züge meistern. Tauschen Sie sich auch mit Ihnen aus und holen sich Tipps und Ratschläge. Bouldern ist ein Teamsport.

Wärmen Sie sich unbedingt auf, bevor Sie bouldern. Besonders für die Sehnen und Bänder ist das Dehnen und Aufwärmen vorab entscheidend, sonst kann es schnell zu Zerrungen oder ähnlichem kommen.

Keine Angst vorm Fallen - klingt einfach, ist in der Praxis aber meist sehr schwer umzusetzen. Es kostet Überwindung einfach loszulassen, selbst in geringer Höhe. Und ohne Seil, Sicherungsgerät und Gurt, die man vorher selbst genauestens geprüft hat, wird das Loslassen gleich noch schweißtreibender. Durch das Spotten fühlen Sie sich sicherer. Wählen Sie hierfür unbedingt eine Person, der Sie vertrauen. Klettern Sie zunächst nur wenige Züge und springen. Steigern Sie sich stetig, aber in Ihrem eigenen Tempo. So wird es Ihnen leichter fallen, sich am Ende eines Boulderproblems fallen zu lassen. Außerhalb der Kletterhalle sorgt ein dickes Crashpad zusätzlich für Schutz und Sicherheit.

Achten Sie am besten von Anfang an auf Ihre Haltung beim Bouldern. Meistern Sie einzelne Züge aus den Beinen heraus. Die Beine haben von Natur aus mehr Kraft als die Arme und die Armmuskeln ermüden dadurch schneller. Ziehen Sie sich nicht hoch, steigen Sie hoch. Natürlich ist diese Empfehlung nicht immer bei jedem Zug anwendbar, aber es spart Energie.

Vor allem bei Anfängern sieht man es häufig, dass sie frontal zur Wand steigen. Das kostet es immens Kraft. Eine Bouldertechnik heißt: Eindrehen, eindrehen, eindrehen! Den Körper nicht frontal vor der Wand zu lassen, sondern die Seite der Hüfte so nahe wie möglich an die Wand zu bringen, hat mehrere Vorteile:

  • Eindrehen schont die Muskeln
  • Klettergriffe und Tritte können einfacher erreicht werden und Sie sehen die Wand aus einer anderen Perspektive
  • Durch das Eindrehen machen Sie an der Wand auch noch eine gute Figur J

Eine weitere große Hilfe ist, wenn Sie nicht jeden Zug als einzelnes Ereignis sehen, sondern den Schwung vom letzten Zug gleich für den nächsten ausnutzen. Auch aus diesem Grund ist ein vorheriges Überlegen der Züge vom Boden aus sinnvoll.

Auch die Tritttechnik ist beim Bouldern nicht zu vernachlässigen. Gewöhnen Sie sich am besten gleich am Anfang an mit den Zehen zu treten und auf den Tritten zu stehen, nicht mit dem kompletten Fuß. So sind Sie in Ihren Bewegungen flexibler, können sich leichter drehen und viele Züge werden Ihnen leichter fallen.

Greifen Sie aus der Schulter heraus. Gerade bei Anfängern sieht man oft den abgewinkelten Ellbogen. Grundsätzlich gilt: Der lange Arm hält die Spannung und wird nicht gebeugt. Schieben Sie nun den freien Arm über die Schultern zum nächsten Griff, nutzen Sie hierbei auch die Beine, indem Sie „aufstehen“ oder sich anders hinstellen. Die Technik über die Schultern zu schieben, ist nicht leicht zu erlernen, bringt aber eine große Kraftersparnis mit sich. Wenn Sie den Dreh einmal raus haben, werden Sie es nicht mehr missen wollen.

Beim Bouldern und Klettern ist sowohl die Balance, als auch das Gleichgewicht entscheidend. Ihr Körperschwerpunkt sollte sich immer nahe an der Wand befinden, am besten unter den Griffen und über den Tritten. Ist der Körperschwerpunkt ungünstig, so werden Sie dies schnell merken, da der Bewegungsablauf zum nächsten Griff oder Tritt schwierig sein wird. Hier gilt die Faustformel: Körperschwerpunkt an die Wand!

Überfordern Sie sich nicht. Legen Sie kleine Pausen ein. Kommen Sie nicht weiter, so bleiben Sie dennoch ruhig und lassen Sie keine Hektik aufkommen. Mit Geduld werden Sie schneller Erfolge erzielen.

Nur durch Ausprobieren lernt man. Seien Sie mutig, testen Sie Ihre Grenzen aus und machen Sie sich nichts draus, wenn Sie scheitern.  Um seine Grenzen zu verschieben, muss man Sie zunächst erreichen.

Nutzen Sie auch Ecken und Kanten zum Greifen und auch die Wand selbst, um auf Reibung zu klettern - beim Bouldern müssen Sie sich nicht starr auf die Klettergriffe und Tritte beschränken.

 

Die wichtigsten Tipps zum Bouldern auf einen Blick

  1. Aufwärmen
  2. Eindrehen, Beine statt Arme – die richtige Technik ist entscheidend und spart Kraft.
  3. Abgucken ist Trumpf. Wie schaffen die anderen einen Boulder? Welche Tipps haben die anderen parat?
  4. Auch mal was riskieren und ausprobieren
  5. Entspannt bleiben und Pausen einlegen
  6. Abwärmen, also Cool Down

 

Sie haben Fragen rund um die Boulderausrüstung oder brauchen Hilfe bei der Auswahl? Gerne stehen wir Ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

Ihr Team von Dein-Kletterhsop.de




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